Mittwoch, 19. Juli 2023: Recht in der Bibel (3): Kindschaft, Johannes 1,12

Gestern haben wir gesehen, dass ich Jesus, den Sohn Gottes, aufnehmen und an ihn glauben muss, um die Vollmacht zu erhalten, ein Kind Gottes zu werden. Aufnehmen und an ihn glauben bedeutet praktisch, dass ich Jesus meine Vergangenheit offenlege, ihm meine Gegenwart anvertraue und ihm von nun an für die Zukunft nachfolge. Betrete ich diesen Lebensweg, werde ich ein Kind Gottes.

Dies unterstreicht auch der auf den Tagesvers folgende Bibeltext, in dem davon die Rede ist, dass ein Kind Gottes in diesem Sinne tatsächlich aus Gott geboren wird. Durch unsere natürliche Geburt sind wir die Kinder unserer Eltern geworden, mit allen damit zusammenhängenden Rechten. Durch diese neue Geburt aus Gott werde ich das Kind Gottes in vollem Rechtssinn. Hierauf deutet auch der Umstand hin, dass der griechische Urtext hier für »Kind« nicht das Wort verwendet, das Kind nach dem Alter meint, sondern Kind nach der Abstammung. Mit dieser Kindschaft und den damit verbundenen Vorzügen ist es Gott sehr ernst.

Im Brief an Christen in Rom schreibt der Apostel Paulus: »Wenn wir aber Kinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben des Christus!« Ich kann diese Zusage nicht vollends erfassen, aber wir werden – sofern wir Kinder Gottes sind – wirklich in einem Atemzug mit dem Sohn Gottes aufgeführt, und zwar als legitime Erben. Der Sohn Gottes selbst stellt diesen Status keinesfalls in Abrede: Nachdem er von den Toten auferstanden ist, beauftragt er Maria, zu seinen Jüngern zu gehen, die er »meine Brüder« nennt. Diesen soll sie von Jesus sagen: »Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater« (Johannes 20,17). Habe ich dieses Kindschaftsrecht erhalten, bleibe ich ewig Gottes Kind.

Markus Majonica
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Frage
Sehnen Sie sich nach dieser ewigen Familienzugehörigkeit?
Tipp
Kind Gottes sein ist für ewig geborgen sein.
Bibellese
Johannes 14,18-23

Dienstag, 18. Juli 2023: Recht in der Bibel (2): Vollmacht, Johannes 1,12

Der Tagesvers spricht einen juristischen Zusammenhang an, ein »Recht«, nämlich das Recht, Kind Gottes zu werden. Das macht zunächst deutlich, dass nicht jeder Mensch automatisch ein Kind Gottes ist, sonst müsste man es ja nicht erst werden. Dieses Recht steht einem Menschen offenbar auch nicht automatisch zur Verfügung. Es muss vielmehr gegeben oder – vielleicht besser – verliehen werden. Davon zeugt auch das im Urtext verwendete griechische Wort »exousia«, das häufig mit »Recht« wiedergegeben wird. Dieser Begriff bezeichnet nämlich kein Recht, über das man selbst originär verfügt. Es bezeichnet vielmehr ein abgeleitetes Recht, so etwas wie ein Privileg, ein von höherer Stelle gegebenes, verliehenes Vorrecht.

Wie komme ich in den Genuss dieses Vorrechts, ein Kind Gottes zu werden? Wer ist befugt, dieses Privileg zu vergeben? Der vorhergehende Text dieses Evangeliums beschreibt, dass der Sohn Gottes, Jesus Christus, durch den alle Dinge geschaffen sind, als Mensch auf diese Erde gekommen ist. Diese Erde wird als sein Eigentum bezeichnet (wieder ein Rechtsbegriff), doch erstaunlicherweise haben die meisten Menschen den Eigentümer nicht als Eigentümer akzeptiert. Denjenigen allerdings, die ihn aufnahmen, gab er – also Jesus – dieses Vorrecht. Dass der Sohn Gottes befugt ist, dieses Recht zu vergeben, ist klar. Denn er ist hierzu ausdrücklich von Gott selbst autorisiert, da dieser ihm alle Vollmachten im Himmel und auf der Erde übertragen hat.

Um jedoch dieses Recht zu erhalten, muss man – wie die Zeitzeugen Jesu – diesen als den Sohn Gottes aufnehmen und an ihn glauben. Wenn man das aber tut, hält Gott sich an diese Zusage gebunden! Hier herrscht Gottes Rechtssicherheit!

Markus Majonica
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Frage
Möchten Sie auch dieses »Recht« verliehen bekommen?
Tipp
Wenden Sie sich Jesus zu und geben Sie sich bedingungslos in seine Verfügungsgewalt!
Bibellese
Johannes 1,35-42

Montag, 17. Juli 2023: Recht in der Bibel (1): Rechtssicherheit, Psalm 33,4-5

Die Bibel nimmt oft auf Rechtsverhältnisse Bezug, die wir aus unserem Alltag kennen, z. B. Verträge, bei denen beide Parteien wechselseitige Verpflichtungen eingehen; die Ehe als Bund zwischen zwei Menschen; das Verhältnis von Kindern gegenüber ihren Eltern; die Adoption usw.

Anhand dieser verständlichen juristischen Beziehungen versucht Gott, biblische Wahrheiten zu verdeutlichen, insbesondere dann, wenn er sich selbst in solche rechtlichen Beziehungen einbindet. Wiederholt spricht die Bibel davon, dass Gott einen Bund, also einen Vertrag, mit einzelnen Menschen (z. B. Abraham), mit einem ganzen Volk (z. B. Israel) oder gar mit der ganzen Menschheit (nach der Sintflut) schließt. An anderer Stelle beschreibt Gott sein Verhältnis zu Israel als Ehe. Schließlich ist von Kindern Gottes und sogar von seinen Erben die Rede.

In all diesen Bildern geht es um juristisch verbindliche Beziehungen. Aus dem weltlichen Rechtssystem sind wir allerdings daran gewöhnt, dass unsere Erwartungen oft enttäuscht werden. Denn die Beteiligten verhalten sich nicht immer rechtstreu: Verträge werden nicht eingehalten, Ehen gebrochen, Kinder vernachlässigt, verleugnet und im Stich gelassen. Wie kann man da seines Rechts sicher sein?

Ist Gott jedoch an einem Rechtsverhältnis beteiligt, besteht für den anderen Teil vollkommene Rechtssicherheit: Seine Zusagen sind hundertprozentig wahr, und er hält sie verlässlich ein. Seine Rechtstreue ist nicht lästige Pflicht, sondern sein innerstes Verlangen. Wenn Gott also auf einer Seite steht, dann kann ich mich völlig auf ihn verlassen. Diesen Grundsatz müssen wir im Hinterkopf behalten, wenn wir in den nächsten Tagen einige biblische Rechtsverhältnisse betrachten.

Markus Majonica
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Frage
Sind Sie an einer Beziehung zu Gott interessiert?
Tipp
In der Hinwendung zu Jesus Christus kann sie zustande kommen.
Bibellese
2. Korinther 5,14-17.21

Sonntag, 16. Juli 2023: Wo ist Gott in all dem Leid?, Jesaja 38,17

Schreckliche Ereignisse begleiten unser Leben. Vulkanausbrüche, Flutkatastrophen, unheilbare Krankheiten, Hungersnöte usw. Und wo ist Gott? Das ist wohl die am häufigsten gestellte Frage. Und zweifellos ist es auch die rätselhafteste Frage unseres Daseins. Denn wir werden sie nie umfassend beantworten können. Es bleiben immer Aspekte offen. Denn könnten wir diese Frage bis ins Letzte klären, müssten wir ja Gott in allem verstehen. Aber das geht nicht. Die Tatsache, dass Gott Gott ist, schließt aus, dass wir ihn in allem verstehen können.

Aber heute wollen wir die Frage einmal umdrehen. Und vielleicht bringt uns das neu ins Nachdenken. Wir wollen nicht immer sofort Gott den Schwarzen Peter zuschieben. Fragen wir uns also: Wie kann der Mensch das alles zulassen? Angesichts schlimmster Folgen einer Flut im Ahrtal im Juli 2021 fragen wir: Hat Gott die Böden versiegelt und in den natürlichen Wasserlauf eingegriffen? Hat Gott die Sirenen abgestellt, die die Menschen vor den Wassermassen gewarnt hätten? Viele unserer Probleme sind doch hausgemacht.

Ich wünsche mir einen differenzierteren Umgang mit der Leidfrage. Denn es gibt selbst verschuldetes Leid. Dafür können wir Gott nicht verantwortlich machen. Wer trotz wiederholter Warnungen riskante Überholmanöver fährt und dann im Graben landet, sollte nicht Gott die Schuld geben. Dann gibt es offensichtlich Leid, das Menschen anderen Menschen zufügen. Auch hier ist nicht Gott der Verursacher. Denken wir nur an die vielen Missbrauchsfälle. Vielleicht fordern wir schnelleres Eingreifen von Gott. Aber hätte Gott alles Unrecht gleich gerichtet, wäre die Erde längst menschenleer. Leid ist und bleibt der Anruf Gottes an diese Welt. Wenn wir ihn nicht überhören, kann Leid zum Heil führen.

Hartmut Jaeger


Frage
Warum machen wir immer wieder Gott für all das Leid verantwortlich?
Tipp
Leid ist ein Ruf zum Vertrauen.
Bibellese
Jesaja 38,1-22

Samstag, 15. Juli 2023: »Ein Toter hat mein Leben gerettet«, Psalm 69,6

Ein Feuerwehrmann konnte sich bei der Hochwasserkatastrophe 2021 in Ahrweiler soeben noch auf eine zwei Meter hohe Mauer retten. Als diese von der Menge des Wassers ebenfalls überflutet und zum Einsturz gebracht wurde, rissen ihn die Wassermassen mit fort. Die Strömung trieb ihn auf einen Friedhof, wo er sich mit letzter Kraft an einem hohen steinernen Grabkreuz festhalten konnte. Ganze sechs Stunden klammerte er sich daran, bis er in der Nacht schließlich aufgespürt und gerettet wurde. Als er kurz darauf das Grab aufsuchte, hielt er für sich fest: »Ein Toter hat mein Leben gerettet.«

Diese Rettungsgeschichte bietet einen schöne Illustration in Bezug auf eine Tatsache, die uns alle betrifft. Die Bibel berichtet, dass wir Menschen aufgrund unserer Schuld und Sünde ebenfalls Rettung benötigen. Am Anfang von Psalm 69 ruft der Psalmist David: »Rette mich, Gott, denn Wasser ist bis an die Seele gekommen. Ich bin versunken in tiefen Schlamm, und kein fester Grund ist da; in Wassertiefen bin ich gekommen, und die Flut schwemmt mich fort.« Dem König David sind dabei seine eigenen Fehltritte und Verschuldungen bewusst. Er fühlt sich, als ob ihm der Boden unter den Füßen weggerissen wird, und schreit lauthals zu Gott um Hilfe.

Doch genau wie bei dem Feuerwehrmann aus Ahrweiler gibt es ein Kreuz, an das wir uns klammern dürfen und wo wir Rettung finden. Jesus selbst wurde Mensch und starb an einem Holzkreuz für uns. Er zahlte für unsere Vergehungen und Schuld und bietet uns nun Rettung und ewiges Leben an. Wer das annimmt und darauf fest vertraut, wer sich an dieses Kreuz klammert, darf dann im Blick darauf ebenfalls für sich festhalten, dass durch den Tod eines anderen sein Leben gerettet wurde.

Alexander Strunk
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Frage
An was halten Sie sich fest?
Tipp
Lesen doch einmal ganz bewusst die Texte über die Kreuzigung Jesu in der Bibel!
Bibellese
Johannes 19,17-37

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