Donnerstag, 15. Januar 2026: Segen im Leid, Psalm 30,12

Als ich Anfang des Jahres 2024 zwei Fehlgeburten direkt hintereinander erlebte, war das ein großer Schock für mich. Ich sah es als meine Berufung an, aus vollem Herzen Mutter zu sein – und jetzt? Hatte ich Gott falsch verstanden? Warum ließ er das zu? Warum ausgerechnet ich? Möglicherweise kennen Sie ähnliche Fragen, wenn Sie ein Schicksalsschlag ereilt, mit dem Sie nicht gerechnet haben.

Die Frage ist jedoch, wie wir mit den schweren Situationen umgehen, die außerhalb unserer Kontrolle liegen: Verweilen wir in einer Schockstarre, verbittern wir oder fangen gar an, Menschen abzulehnen, die genau das haben, was uns genommen wurde? Klagen wir Gott an? Oder haben wir den Mut, durch diese Zeit hindurchzugehen, den Schmerz zu durchleben und die Unsicherheit auszuhalten, dass es auf manche Fragen keine Antworten gibt?

Wenn Sie auf Ihr bisheriges Leben zurückschauen, stellen Sie vielleicht fest, dass Sie vor allem durch das Schwere geformt wurden. Vielleicht erkennen Sie rückblickend sogar, wie gut es war, dass genau dieses oder jenes Schmerzhafte passiert ist, weil Sie dadurch etwas Wichtiges gelernt, neue Erkenntnisse gewonnen oder sogar Ihre Lebensweise grundlegend verändert haben.

Genau diese Perspektive wünsche ich Ihnen: Dass Sie erkennen, dass in Leid und Not ein verborgener Segen liegen kann. Das Wichtigste dabei ist: Sie müssen durch dunkle Täler nicht allein gehen. Es gibt einen Gott, der Sie liebt, der Sie versteht und der Ihnen Trost, neuen Mut und Hoffnung geben möchte. Schwere Zeiten in unserem Leben sind oft der Anlass, diesen Gott zu suchen, vielleicht zum ersten Mal in unserem Leben. Wer das tut, wird erleben, dass Gott Freude mitten im Leid schenken kann.

Annegret Heyer

Mittwoch, 14. Januar 2026: Manchmal trügt der Schein, Johannes 7,24

Äußere Schönheit hat in unserer Kultur einen hohen Wert. Für den Verkauf einer Ware spielt die Verpackung eine entscheidende Rolle. Untersuchungen zeigen, dass hübsche Kinder bessere Noten bekommen. Im Bewerbungsprozess werden attraktiven Menschen tendenziell positive Eigenschaften zugeschrieben wie Freundlichkeit, Feinfühligkeit, Ausgeglichenheit, Geselligkeit, ebenso Ansehen und Erfolg. Was unseren Augen gefällt, ist zum Goldstandard menschlichen Wertes geworden. Wir weigern uns hartnäckig zu lernen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Wenn uns eine Eigenschaft gefällt, bedeutet das nicht unbedingt, dass alles Qualität hat. Umgekehrt muss eine unscheinbare Verpackung nicht bedeuten, dass der Inhalt schlecht ist.

Bei einem Casting für das höchste Staatsamt in Israel war der Prophet Samuel beeindruckt von der äußeren Erscheinung eines Mannes namens Eliab. Aber Gott sagt: »Schaue nicht auf sein Aussehen und auf seinen beeindruckenden Körperbau. Denn der Mensch sieht auf das Äußere, Gott aber sieht das Herz an« (1. Samuel 16,7).

Der größte Fall von Fehleinschätzung fand statt, als Jesus Christus auf diesem Planeten auftrat. Äußerlich war er nicht anziehend. »Er hatte keine Gestalt und keine Pracht. Und als wir ihn sahen, hatte er kein Aussehen, dass wir Gefallen an ihm gefunden hätten« (Jesaja 53,2). Dabei war er der einzige wahrhaft schöne Mensch ohne Makel. Jemand, der ihn genau kennenlernte, schrieb: »Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit, wie sie nur der Eine und Einzige vom Vater hat, erfüllt mit Gnade und Wahrheit« (Johannes 1,14). Andere, die ihm zuhörten, stellten erstaunt fest: »Niemals hat ein Mensch so geredet wie dieser!« (Johannes 7,46). Auch heute lohnt es sich, diesen Mann entgegen dem ersten Anschein wirklich kennenzulernen.

Gerrit Alberts

Dienstag, 13. Januar 2026: Darf ich für Sie beten?, Jeremia 29,12

Wir waren vor Kurzem umgezogen. Meine Frau Petra kannte einige Frauen aus dem Dorf, in das wir zogen. Sie ist Krankenschwester und hatte drei Kolleginnen, die ebenfalls hier wohnten. Als wir neue Kontakte aufbauten, besuchten wir auch Petras Kolleginnen und deren Familien.

Eine dieser Familien machte eine schwere Zeit durch. Sie hatten eine Tochter mit einem schweren Herzfehler. Zweimal war sie während ihrer Kindheit schon am offenen Herzen operiert worden. Nun stand ihr mit 14 Jahren die dritte und letzte OP bevor. Jede Operation war mit einem hohe Risiko verbunden, und diese dritte OP würde nun entscheiden, ob und wie sie ihr Leben weiterführen konnte.

In der folgenden Woche fuhr die Mutter mit ihrer ältesten Tochter in eine Spezialklinik. Vier Tage später sollte die Operation stattfinden. Am Tag vor der OP war ich selbst so aufgewühlt, dass ich den Vater des Mädchens besuchte, der mit den zwei jüngeren Kindern zu Hause geblieben war. Ich unterhielt mich mit dem Vater zuerst über Belanglosigkeiten. Aber unsere Anspannung brachte uns schnell zum Thema OP. Während wir so miteinander redeten, wurde der Drang in mir immer größer, für die Situation zu beten. Da ich aber nicht wusste, welche Einstellung mein Gegenüber zum Glauben hatte, fragte ich zunächst, ob ich für sie alle beten dürfe. Er hatte nichts dagegen. So gab ich Gott im Gebet das hin, was als dunkle Wolke über allen kreiste. Als ich geendet hatte, sah er mich irritiert und erleichtert zugleich an.

Wir redeten danach nicht mehr viel. Aber dieses Gebet war der Beginn einer Freundschaft, in der auch Gespräche über den Glauben ihren Platz haben. Gott erhörte das Gebet. Ihre Tochter ist heute eine glücklich verheiratete Frau, die selbst eine junge Tochter hat.

Bernd Grünewald

Montag, 12. Januar 2026: Faktencheck, Johannes 8,31-32

Anfang 2025 schaffte Meta-Chef Mark Zuckerberg die sogenannten Faktenchecks in den USA ab. Er folgte damit einem Trend, den bereits zuvor Elon Musk auf seiner Plattform »X« umgesetzt hatte. Fortan sollte man bei Instagram, Facebook und Co. sagen und schreiben können, was man will. Die User sollten selbst herausfinden, was wahr ist und was falsch, ohne Kontrolle oder gar Zensur.

Darüber entbrannten heftige Diskussionen: War dies ein Schritt hin zu immer größerer Verunsicherung, zu immer mehr »Fake News«, zu immer größerer Spaltung, ein Freibrief für Verschwörungstheoretiker? Oder war es gerade ein wichtiger Schritt (wieder) zu mehr Meinungsfreiheit, indem man dem Einzelnen wieder mehr Mündigkeit zugestand, sich selbst ein Bild von Richtig und Falsch, von Wahrheit und Lüge zu machen? Diese Fragen sind sicher nicht einfach zu beantworten. Aber ein Faktencheck – ob nun persönlich oder durch eine übergeordnete Instanz – ist unerlässlich.

Das gilt auch in Bezug auf die existenziellen Fragen des Lebens, um einen klaren Blick für die Wahrheit zu bekommen. Hier darf man nicht jedermann glauben, sondern man sollte sich auf den verlassen, der gute Motive mit uns Menschen verfolgt und uns der Wahrheit gemäß aufklärt. Ohne Verlässlichkeit, ohne Wahrheit können wir auf Dauer nicht leben. Jesus Christus, der Sohn Gottes, weiß das. Deswegen will er uns Orientierung, ein Wissen um Richtig und Falsch und verlässliche Fakten geben. Seine Worte sind wahrhaftig. Sie verlieren ihre Gültigkeit nicht. Seine Zusagen haben Bestand. Seine guten Motive hat er bewiesen: durch den Einsatz seines Lebens. Wer sich auf seine Worte verlässt, den macht er frei von Unsicherheit und dem gibt er stattdessen ewige Sicherheit.

Markus Majonica

Sonntag, 11. Januar 2026: Die große Geschichte, Psalm 119,160

Ein kleines Rätsel: Welches Phänomen tritt in fast allen großen fiktiven Werken auf? Es findet sich in Büchern, Filmen und Serien, selbst in weltbekannten Reihen wie Der Herr der Ringe, Star Wars oder Harry Potter. Je komplexer eine Geschichte wird, desto wahrscheinlicher ist es: Retconning. Dieser Begriff bezeichnet einen Prozess, bei dem Details, die zuvor in der Erzählung festgelegt wurden, verändert werden, damit die Story stimmig bleibt.

Die berühmten Worte »Nein, ich bin dein Vater!« aus Star Wars: Episode V kennt wohl jeder. Weniger bekannt ist: George Lucas brachte diese Wendung erst nach dem vierten Teil ein – ein cleverer Rückgriff, der die Geschichte auf einzigartige Weise vertiefte. Doch nicht alle Änderungen dieser Art sind so gelungen. In Franchises wie Fast & Furious oder Terminator wurden verstorbene Figuren zurückgebracht – mit Wendungen, die oft enttäuschten, der Story ihre Tiefe nahmen oder schlicht unlogisch wirkten. Autoren nutzen Retconning also, um die losen Enden einer Erzählung wieder zusammenzuführen.

Doch es gibt eine Geschichte, die demgegenüber heraussticht. Sie kommt vollkommen ohne nachträgliche Korrekturen aus – und das, obwohl sie über rund 1500 Jahre hinweg von mehr als 40 verschiedenen Autoren verfasst wurde. Die Rede ist von der Bibel. Von Anfang an hat Gott seinen Plan erklärt: Nachdem der Mensch trotz perfekter Voraussetzungen »Nein« zu Gott gesagt hat, kündigt Gott schon im dritten Kapitel der Bibel einen Retter an. Es vergehen mehr als 3000 Jahre, mit vielen Entwicklungen und Veränderungen der Menschheit sowie weiteren Ankündigungen. Schließlich kommt Jesus in diese Welt und führt Gottes Plan aus. Der perfekte Autor der Weltgeschichte bietet uns in seinem Sohn die Vergebung an.

Hung Thanh Thai

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